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Otto Fränkel

(geb. 1917)

05.03.1940 Anordnung der Sicherungsverwahrung
10.12.1942 KZ Mauthausen
15.12.1942 KZ Gusen
22.12.1943 KZ Auschwitz
Anfang Februar 1945 KZ Mittelbau-Dora


Otto Walter Fränkel wurde am 7. April 1917 als Sohn von Frida Gutbruch in Stuttgart geboren, der Vater war unbekannt. Später heiratete Frida Otto Fränkel, der den Jungen adoptierte. Die Mutter starb mit 59 Jahren an einem Herzleiden, der Stiefvater kam 1944 bei einem Bombenangriff ums Leben. Otto Fränkel besuchte die Stuttgarter Prag-Volksschule bis zur achten Klasse, machte anschließend eine Schuhmacherlehre, die er mit der Gesellenprüfung abschloss, und arbeitete dann im Geschäft des Stiefvaters, der ebenfalls Schuhmacher war. Nach seinen Angaben war er von 1931 bis 1933 Mitglied der sozialdemokratischen Jugend.

Otto Fränkel kam wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. Erstmalig wurde er am 28. November 1934 durch das Jugendgericht Stuttgart verurteilt: sechs Wochen Gefängnis wegen Diebstahls. Weitere Verurteilungen folgten, bis ihn die Strafkammer Tübingen schließlich am 5. März 1940 wegen Diebstahls im Rückfall zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus verurteilte und die anschließende Sicherungsverwahrung anordnete.
Als im September 1942 Reichsjustizminister Otto Georg Thierack und Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler die schubweise Auslieferung aller Sicherungsverwahrten, die bisher der Justiz unterstanden und in den Sicherungsanstalten einsaßen, an die Polizei, zur "Vernichtung durch Arbeit" in den Konzentrationslagern, vereinbarten, war auch Fränkel unter den Betroffenen. Am 10. Dezember 1942 traf er zusammen mit 460 weiteren sicherungsverwahrten Häftlingen im Konzentrationslager Mauthausen ein. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 17717 und die Kategorie Polizeilicher Sicherungsverwahrter (PSV). Fünf Tage später wurde er in das nahegelegene KZ Gusen überstellt, wo die Häftlinge vor allem beim Stollenbau für die Untertageproduktion von Jagdflugzeugen Schwerstarbeit leisten mussten.
Am 22. November 1943 war Fränkel mit der Häftlingsnummer 113668 im KZ Auschwitz registriert (wann seine Verlegung dorthin erfolgte, ist uns nicht bekannt). Vom 24. Januar bis 12. Februar 1944 war er im dortigen Bunker in Strafarrest. Anfang Februar 1945 kam er in das Außenlager Ellrich des KZ Mittelbau-Dora (Häftlingsnummer 106554 „SV“).
Wann und wo Otto Fränkel schließlich die Befreiung erlebt hat, ist uns nicht bekannt.1

Vom 5. Juni 1946 bis 4. Februar 1947 war er in Untertürkheim, Fichtnerstraße 39/II gemeldet. Wegen schweren Diebstahls wurde er erneut zu mehreren Haftstrafen verurteilt, die er unter anderem im Gefängnis Schwäbisch Hall und im Zuchthaus Bruchsal absaß. Am 26. Juli 1958 heiratete er eine fünfzehn Jahre ältere Frau mit sechs Kindern und arbeitete beim Kinobau und als Pförtner.

Im Mai 1960 lehnte die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) Fränkels weitere Vertretung bei Wiedergutmachungsverfahren ohne Angabe von Gründen ab: „Nach der zwischenzeitlich erfolgten Einsicht in die Akten des Landesamtes sind wir nicht mehr in der Lage, den Antragsteller zu vertreten. Wir betrachten unsere Vollmacht als erloschen.“ Vermutlich spielten seine kriminellen Aktivitäten bei der Ablehnung eine Rolle.

Im Juni des Jahres wurde sein Antrag auf Wiedergutmachung abgelehnt. Im Juli 1960 stellte Fränkel daraufhin ein Gesuch um Härteausgleich, da an ihm im KZ medizinische Versuche vorgenommen worden wären. Es folgten in den nächsten Jahrzehnten zahlreiche Antrage Fränkels auf Wiedergutmachungszahlungen (unter anderem wegen einer ungeklärten Zwangssterilisation), die teilweise mit Zahlungen, teilweise mit Ablehnungen endeten. Auch Ansprüche nach dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz (AKG)2 machte er geltend. Die letzten Vorgänge reichen bis ins Jahr 1999. Eine Darstellung der jeweiligen Ausgangslagen und der komplizierten Verhandlungen würde allerdings den Rahmen unseres Themas sprengen.

Die Markierung auf der Übersichtskarte zeigt Otto Fränkels Geburtsort Stuttgart.

Quellen

Arolsen Archives
1.1.27.2 Individuelle Häftlings Unterlagen Männer KL Mittelbau (Dora) / Otto Fränkel
Korrespondenzakte TD 766684

Staatsarchiv Ludwigsburg
EL 350 I Bü 28797

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